Musicaldarstellerin Kathy Savannah Krause im Interview

„Einen Plan B gab es nie“

Kathy Savannah Krause (39, Jahre) wusste schon früh, was sie will: Auf die Bühne. Mit neun Jahren nahm sie das allererste Mal an einem Kinder-Musical in ihrer Schule teil und von diesem Moment an stand für die in Bochum geborene halb Amerikanerin fest, was sie beruflich machen möchte. Ihre Mutter ermöglichte ihr  Gesangsunterricht und sie studierte zunächst mehrere Jahre Klassischen Gesang bevor sie mit 16 Jahren nach Hamburg zog zur Musicalausbildung, die sie später im Ausland u.a. in New York fortführte. Sie gewann live im Sat 1 Fernsehen mit ihrer Interpretation von „Time To Say Goodbye“ und gehörte zur deutschen Premierencast von Sir Andrew L. Webbers „Joseph“, bevor sie international mit „Rock meets Musical“ tourte.

In vier Sprachen interpretierte sie die Christine (Das Phantom der Oper), begeisterte lange Zeit das Publikum in Las Vegas und stand in Deutschland mit Kultrocker Udo Lindenberg auf der Bühne. Mit ihrem mehrsprachigen Rollenrepertoire gastierte die Sopranistin an renommierten Häusern wie der Königlichen Oper Kopenhagen. In der ARD-Fernsehaufzeichnung des Musicalhits „SnoWhite“ übernahm sie die Titelrolle des Schneewittchens auf der Bühne und vor der Kamera und als Patin des DEUTSCHEN KINDERSCHUTZ BUNDES singt sie die offizielle Hymne „Kinder ohne Schutz“. Kathy gastiert als Hauptdarstellerin seit mehreren Jahren bei der erfolgreichen Musicaltour „Die Nacht der Musicals“ und ist auf diversen Castalben zu hören. Seit 2018 spielt sie die Rheintochter in der Neuinszenierung des Musicalerfolgs „Der Ring“. Neben ihrer Bühnentätigkeit ist sie leitende Dozentin für Gesang und bilinguale Phonetik an den ausbildenden Akademien in Hamburg.

Frau Krause, die Corona-Krise hat Kulturschaffende hart erwischt, Engagements und somit auch Einnahmen sind weggebrochen. Allerdings sind Sie nicht untätig geblieben. Was haben Sie gemacht?

Als die Theaterproduktionen nicht mehr spielen durften, konnten die ausbildenden Akademien ihren Betrieb unter den hygiene Regeln ja recht schnell wieder aufnehmen. Ich hatte das Glück zumindest als Dozent und Coach durchweg arbeiten zu können. Und auch als Darstellerin habe ich nicht aufgehört an mir zu arbeiten, zu trainieren und die erzwungene Auszeit positiv zu nutzen. Anders wäre es auch nicht möglich jetzt sofort wieder in die Produktionen einzusteigen nach fast zwei Jahren.

Sie haben einmal gesagt, dass es für Sie nie einen Plan B zu Ihren beruflichen Plänen gab. Haben Sie diese Entscheidung jemals bereut?

Nein, diese Entscheidung habe ich nie bereut. Ich darf meine Leidenschaft hauptberuflich ausüben, das ist ein absolutes Privilleg und ich bin sehr dankbar dafür! Für diesen Traum arbeitet man unermüdlich an sich als Darsteller. Bühne ist eine Entscheidung und der Weg nicht immer einfach.Ich würde es immer wieder genauso machen.

Mussten Sie schon einmal darüber nachdenken aus dem Künstlerinnenleben auszusteigen?

Mit dieser Frage wurden während Pandemie unendlich viele grossartige Kollegen konfrontiert. Ich persönlich habe nie darüber nachgedacht auszusteigen. Als Künstler lernt man zu improvisieren und aus den unmöglichsten Umständen lebende Momente und neue Optionen zu schaffen. Man stellt sich jeden Abend nicht nur dem Publikum, sondern auch sich selber immer wieder aufs Neue und ich bin als Mensch eher positiv und zielorientiert. Anpassen, adaptieren und Lösungen finden ist immer mein erster Ansatz.

Streaming-Konzerte werden immer wieder heiß diskutiert. Was ist ihre persönliche Haltung zu diesen Angeboten?

Ich finde es ist ein sehr schmaler Grad zwischen einer tollen unplugged Performance und einem gefilmten Liederabend in einem Wohnzimmer. Einige Kollegen haben sehr schöne online Konzepte inkl. Ticketing entwickelt und Fans wie Musikliebenden durch die isolierte Zeit viel Freude gemacht, dass fand ich grossartig. Ich habe meine Performance lieber auf der Bühne gelassen und gewartet bis live Konzerte möglich waren.

Welche Art von Unterstützung wünschen Sie sich für Kulturschaffende in der Zukunft?

Das unsere Existenzen und Arbeitsplätze nie wieder als ein in Kauf genommener „kollateral Schaden“ unter politischer Entscheidungen für unfassbare zwei Jahre stillgelegt werden können. Und das Künstler, die an nicht- subventionierten Häusern/Produktionen arbeiten, gleichermaßen angemessen finanziell unterstützt werden. Es gibt zu grosse Lücken und massive Unterschiede in der Absicherung und Beihilfe Regelung für freischaffende Künstler.

Was sind Ihre nächsten beruflichen Ziele? Welche Rolle wäre für Sie noch einmal eine Herausforderung und würden Sie gern spielen?

Ich hatte das Glück in wundervollen Hauptrollen und grossartigen Shows auf der ganzen Welt auf der Bühne stehen zu dürfen.  Ich freue mich auf die aktuell anstehenden Produktionen wie das Musical „DER RING-das Nibelungenmusical„ am Deutschen Theater München und die Wiederaufnahmen der beiden Tourproduktionen „die Nacht der Musicals“ und „The Spirit of Freddie Mercury“. Alles Weitere lasse ich auf mich zukommen und freue mich auf neue Herausforderungen…eine Evita zum Beispiel.

Auf der Bühne zu arbeiten ist körperlich fordernd. Wie bereiten sich Musicaldarsteller darauf vor, dass sie diesen Ansprüchen eines Tages vielleicht nicht mehr gewachsen sind?

Es ist wichtig seine stimmlichen und körperlichen Grenzen zu kennen. Nichts fällt schwerer als eine Vorstellung abzusagen oder abgeben zu müssen weil man krank ist. Singt oder tanzt man über eine nicht auskurierte Verletzung hinweg kann permanenter Schaden entstehen und man fällt über Monate aus. Es gibt keine Altersgrenze für die gesunde Stimme auf der Bühne. Man muss sich natürlich fit halten und in seiner Performance mit der Zeit gehen, dass ist bei uns so wie in jedem  Beruf. Ansonsten habe ich eine klare Meinung und sage dies auch immer wieder zu meinen Schülern: Die einzigen Ansprüche denen man gewachsen sein muss sind die eigenen.

Wie halten Sie sich fit?

Ich habe eine kleine Gym Ecke in meinem Appartement, wo ich täglich trainiere. Wenn ich auf Tour bin habe ich ein kleines Equipment dabei. Sport gehört für mich zum Tagesablauf auch wenn ich abends auf der Bühne stehe. Ich mache das aber lieber konzentriert mit mir statt in einem Studio und gucke dabei gern die Lieblingsserie.

Wie motivieren Sie sich, um durch schwere Zeiten zu kommen und Rückschläge zu verkraften?

Meine Familie und ein harmonisches Zuhause sind für mich der Rückzugsort wo ich mich ausruhe, Kraft tanke und neue Motivation finde. Bei jedem von uns gehen die Reserven mal zu Ende und ich finde es wichtig, dass man sich Zeit nimmt eine Situation stehen zu lassen, statt mit dem ersten Impuls sofort gegen zu reagieren. Als Künstler hat man einen hohen Anspruch an sich selbst, trotzdem läuft nicht jede Vorstellung glatt, nicht jeden Abend sitzt jeder Ton, auch den Versiertesten von uns passieren Fehler auf der Bühne und wir gehen immer noch zu Vorsingen ohne die Rolle später zu bekommen. Rückschläge sind Teil meines Berufes und der täglichen Arbeit eines jeden der diesen Beruf anstrebt. Und na klar, ärgert man sich darüber! Aber ein Rückschlag ist keine Bewertung der ganzen bisherigen Arbeit, sondern eine Momentaufnahme. Man kann es nur beim nächsten Mal anders machen und lernen selbstverständlicher mit sich und Fehlern umzugehen.

Titelfoto: © Christian Glock

Performance Fotos ©Die Nacht der Musicals

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